Geld? Oder Leben?

!A&C Mittelstandsberatung GmbH

14. September 2012
von Markus Brandstetter
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Personal: Wenn Mitarbeiter zur Konkurrenz gehen


Rausgeekelt und vergrault

Unternehmensberater B. wird vom Mittelständler M. zu Hilfe gerufen. In nur drei Jahren ist der Umsatz um 20 Prozent gesunken, die Verluste häufen sich, die Kreditlinien sind ausgeschöpft. Die Banken verlangen neue Sicherheiten, andernfalls droht die Kündigung der Linien. Die besten Leute verlassen das Unternehmen, Wettbewerber pflücken Schlüsselkunden wie reife Äpfel vom Baum.

Der Berater redet mit Geschäftsleitung und Mitarbeiten, analysiert die Zahlen, studiert die Branche, besichtigt Werke und Niederlassungen. Schnell schält sich ein Bild heraus: Die Verluste betreffen hauptsächlich das größte und wichtigste Geschäftsfeld und den wichtigsten Markt. Binnen Monaten gingen in Süddeutschland und der Schweiz Kunden verloren, mit denen man seit Jahrzehnten beste Geschäfte getätigt hatte. Was ist da los?

Keiner weiß was

Die Unterlagen des Unternehmens geben kaum was her. Berichte über Kundenbesuche gibt es nicht, auch keinen aussagekräftigen Emailverkehr, Verträge hat man nie geschlossen, die Kunden haben einfach bestellt. Auf seine immer drängenderen Fragen hört der Berater: Das hätten sie den Herrn Ludwig fragen müssen. Das wußte nur der Herr Ludwig. Der Herr Ludwig hat das immer gemacht.

Zwei neue Mitarbeiter, die alles haben – außer Ahnung

Aber wer und wo ist Herr Ludwig? Die Fragen des Beraters führen bei der Geschäftsleitung zu Stottern, roten Köpfen und Schweißausbrüchen. Herr Ludwig, stellt sich heraus, war der Marketing-Direktor Süd, der Mann, der das ertragsstärkste Geschäftsfeld des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro 30 Jahre lang geleitet hat. Und wo ist Herr Ludwig jetzt? Pensioniert. Dafür gibt es gleich zwei Nachfolger: frisch diplomierte Kaufleute mit teuren Uhren, schicken Anzügen und schnellen Autos, die also alles haben – nur keine Ahnung.

Golfprofi im Ruhestand

Es dauert ein Woche, bis der Berater Herrn Ludwig auf dem Handy erreicht. Der ist zum Wandern in Neuseeland und klingt genauso entspannt wie der Pazifik im Hintergrund. Zurück in Deutschland will der frühere Manager alles tun, nur nicht mit dem Berater über sein altes Unternehmen reden. Die Feindseligkeit in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Der Berater bleibt höflich, aber hartnäckig, und irgendwann sitzt ihm Herr Ludwig beim Mittagessen gegenüber. Ludwig sieht aus wie ein Golfprofi im Ruhestand. Obwohl er eigentlich nicht mehr über die Firma M. reden wollte, sprudelt es nur so aus ihm heraus.

“Diese Firma war einmal mein Leben”

Der Berater hat längst einen Verdacht, was passiert ist, aber er möchte es von Herrn Ludwig selber hören. Der Ex-Manager nimmt kein Blatt vor den Mund. Sang- und klanglos wurde er in den Ruhestand geschickt. Keinen Dank und keine Feier gab es, keine Reden, keinen Blumenstrauß, ja nicht einmal einen Händedruck. „Und diese Firma“, sagt er mit schimmernden Augen, „war einmal mein Leben. Ich habe da mehr Zeit verbracht als mit meiner Familie.“

Der Ex-Mitarbeiter ist nun bei der Konkurrenz

Der Berater hatte Ludwig eigentlich fragen wollen, ob der auf ein Jahr lang aus dem Ruhestand zurückkehren würde, aber diese Frage erübrigt sich. Als er Ludwig auf dem Parkplatz die Hand schüttelt, drückt der ihm eine Visitenkarte in die Hand. Herr Ludwig ist nun selber Berater. Bei M.s schärfstem Konkurrenten.

12. September 2012
von Markus Brandstetter
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Fallstudie: Handwerker vor der Kreditkündigung – und jetzt?


Probleme mit der Liquidtät

Handwerksmeister Anton führt er einen großen Handwerksbetrieb mit 40 Leuten und einem Jahresumsatz von 5 Mio. Euro. Seit nunmehr 50 Jahren verhilft der Betrieb seiner Familie zu Wohlstand und Ansehen. Aber seit Anton Junior sich von Heizungen und Lüftungen verabschiedet und den Schwerpunkt auf Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Pellets-Heizungen gelegt hat, gibt es Probleme mit der Liquidität: Die Umsätze stagnieren, während die Kosten steigen. Vor sieben Jahren hat der Juniorchef, beflügelt vom Boom in der Photovoltaik, auf der grünen Wiese großzügig gebaut und gleich noch einen kleineren Konkurrenten übernommen.

Post von der Hausbank

In diesen Tagen nun bekommt Anton Post von seiner Hausbank. Man teilt ihm mit, daß er bankenintern einen neuen Ansprechpartner habe, daß dieser Mitglied der Abteilung „Consulting“ sei und im weit entfernten München residiere. Zusätzlich lade man Anton zu einem klärenden Gespräch über die Zukunft seines Unternehmens ein – zeitnah und ausgestattet mit aussagekräftigen Unterlagen. Das ist nicht der erste Brief, den Anton in den letzten Monaten von seiner Bank erhalten hat. Mehrmals ist er bereits aufgefordert worden, aktuelle Zahlen vorzulegen und die überzogene Betriebsmittellinie – die man auch „Kontokorrent“ oder „Dispositionskredit“ nennt – baldigst in den genehmigten Bereich zurückzuführen.

Guter Rat in Sicht

Dem Unternehmer ist bei der ganzen Geschichte nicht wohl, weshalb er sich an Berater B. wendet. B. analysiert im Schnelldurchgang den Betrieb und die wichtigsten Unterlagen (letzte drei Bilanzen, Dezember-BWA des Vorjahres, aktuelle BWA, aktuelle Summen- und Saldenliste, Listen der offenen Posten, Kontobewegungen). Nach drei Tagen bittet B. den Unternehmer in sein Büro. Es wird ein ernstes Gespräch. B. teilt einem fassungslosen Anton mit, daß dieser sich auf dem besten Weg zu Kreditkündigung und Insolvenz befinde.

Massive Kontoüberziehungen

Was ist geschehen? Der Unternehmer hat in den letzten drei Jahren die Kontokorrentlinie bei seiner Hausbank immer wieder massiv überzogen, pro Jahr oft 100 Tage und mehr, Lastschriften wurden zurückgegeben, einmal kam es zu einer Kontopfändung durch das Finanzamt. B. erklärt Anton, daß er sich bei seiner Bank nun auf der Intensivstation befinde, von wo es nur zwei Auswege gäbe: Zurück in die normale Betreuung – oder aber in die Abwicklung des Engagements, sprich Kontokündigung. In einer Hinsicht immerhin kann der Berater den Unternehmer beruhigen: Banken kündigen Kredite nicht von heute auf morgen. Stellt der Unternehmer die Ursachen der „Leistungsstörung“ – wie Banken Überziehungen oder rückständige Darlehensraten bezeichnen – dauerhaft ab, hat er gute Chancen, seine Kreditlinien zu behalten.

Das wird Handwerksmeister Anton jetzt tun

B. weiß, was nun getan werden muß: Zuerst wird Anton die Überziehung der Betriebsmittellinie deutlich unter den vereinbarten Rahmen von 500.000 Euro zurückführen. Dazu wird er einen Teil des Kontokorrentkredites in ein Darlehen umwandeln, das er mit einer erstrangigen Grundschuld auf seiner Privatimmobilie besichert. Zusätzlich wird er ein Wertpapierdepot auflösen. Die Erlöse daraus wird er dann als Kapitalerhöhung in das Unternehmen einbringen. Für Anton sind das harte Einschnitte, aber sie lohnen sich: Das erhöht die Eigenkapitalquote und senkt die exorbitanten Zinsen (9 Prozent regulär, 16 Prozent bei Überziehung). Flankierend optimiert Anton mit seinem Berater Rechnungswesen, Controlling und Planung, insbesondere verkürzen sie die Zeit, bis die Kundenrechnungen bezahlt werden (Forderungslaufzeiten) von 59 auf 21 Tage, was den Cash-flow schlagartig verbessert.

Ausgerüstet mit plausiblen und topaktuellen Unterlagen (Bilanz, BWA, Dreijahresplanung) fahren B. und Anton dann nach München auf die „Intensivstation“. Nach einem aus Sicht Antons überraschend entspanntem Gespräch weiß dieser, daß er bald wieder in die normale Betreuung zurückkehren wird, wenn es zu keinen Leistungsstörungen mehr kommt, wofür der Berater sorgen wird.

20. Juni 2012
von Markus Brandstetter
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Wenn Banken den Kredit kündigen


Warum das ein Problem ist

Die Kündigung der Betriebsmittellinie ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Unternehmer im Mittelstand überhaupt passieren kann. Das sind die Gründe:

  • Meistens ist das der Anfang vom Ende;
  • Mehr als die Hälfte aller Insolvenzen im Mittelstand beginnt mit der Kündigung der Kontokorrentlinie (KK-Linie);
  • Ist die KK-Linie gekündigt und das Konto eingefroren, können keine Waren mehr eingekauft, Löhne und Gehälter, Mieten, Strom, Gas, Leasingraten usw. nicht mehr bezahlt werden;
  • Die Konsequenz daraus ist oft die (plötzliche) Zahlungsunfähigkeit;
  • Weniger gefährlich ist die außerordentliche Kündigung eines Investitionskredites, aber auch das sollte möglichst verhindert werden, weil es Auswirkungen auf alle anderen Kredite des Unternehmers hat.

Die Erfahrung zeigt, daß die Kündigung eines Kredites durch eine Bank oft durch Kleinigkeiten ausgelöst wird. Hier gilt der alte Spruch wirklich: Kleine Ursache, große Wirkung. Das bedeutet aber auch: Richtig und rechtzeitig gehandelt und gegengesteuert, läßt sich (fast) jede Kreditkündigung verhindern.

Was im Kreditvertrag über eine fristlose Kündigung drinsteht

Wie alle Verträge können auch Kreditverträge gekündigt werden – und zwar ordentlich (= fristgerecht) und außerordentlich (= fristlos). Die größte Gefahr für einen Mittelständler liegt in der fristlosen Kündigung, insbesondere der Kündigung der Betriebsmittellinie[1].

Kreditverträge bestehen immer aus zwei Teilen:

  • Den individuellen Kredit- und Darlehensvereinbarungen;
  • Den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs).

Der Teufel lauert wie immer im Detail, hauptsächlich in den AGBs. Von einer fristlosen Kündigung ist in den meisten Kreditverträgen nämlich kaum jemals die Rede. Diese Klausel ist i.d.R. diskret in die AGBs verbannt, wo sie Kündigung aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist heißt. Da steht dann z.B.:

Eine fristlose Kündigung der gesamten Geschäftsverbindung oder einzelner Geschäftsbeziehungen ist zulässig, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, der der Bank deren Fortsetzung auch unter Berücksichtigung der berechtigten Belange des Kunden unzumutbar werden läßt.

Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, – wenn der Kunde a) unrichtige Angaben über seine Vermögensverhältnisse gemacht hat, die für die Entscheidung der Bank über eine Kreditgewährung oder über andere mit Risiken für die Bank verbundene Geschäfte (zum Beispiel Aushändigung einer Zahlungskarte) von erheblicher Bedeutung waren;

Oder b) wenn eine wesentliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse des Kunden oder der Werthaltigkeit einer Sicherheit eintritt oder einzutreten droht und dadurch die Rückzahlung des Darlehens oder die Erfüllung einer sonstigen Verbindlichkeit gegenüber der Bank – auch unter Verwertung einer hierfür bestehenden Sicherheit – gefährdet ist

Oder c) – wenn der Kunde seiner Verpflichtung zur Bestellung oder Verstärkung von Sicherheiten (…) nicht innerhalb der von der Bank gesetzten angemessenen Frist nachkommt[2].

Wie ein Kredit überwacht wird

Für die Bank ist jeder Kredit ein Risiko, das regelmäßig überwacht werden muß. Auch § 18 KWG (Kreditwesengesetz[3]) und Basel II/III verlangen das. Überwacht wird das Folgende:

  • Werden Zins und Tilgung pünktlich und vollständig geleistet?
  • Wird die Kreditlinie überzogen? Wenn ja: wie oft im Jahr, wie lange und um wieviel?
  • Haben die Kreditsicherheiten ihren Wert behalten oder verloren?
  • Liegt der Jahresabschuß zeitnah vor?
  • Präsentiert der Kunde Planzahlen[4] und informiert er regelmäßig[5], wahrheitsgetreu und vollständig über die Geschäftsentwicklung?
  • Läuft der gewohnte Umsatz weiter über das hauseigene Geschäftskonto – oder über eine andere Bank?
  • Kommt es gravierenden Falschinformationen[6] der Bank oder gar zu Betrug?
  • Werden zwischen Konzerngesellschaften Umsätze, Aufwendungen und Gewinne durch kreuzweise Verrechnungen oder Gewinnabführungsverträge hin- und hergeschoben?

Diese Überwachung geschieht längst automatisch. Jeder Kundenbetreuer einer Bank arbeitet mit einer Software, die ihm sämtliche Konten und Kredite von Unternehmen und Unternehmer (also auch die privaten!) auf einen Blick zeigt. Konten, die ständig am Anschlag sind, Überziehungen oder nicht geleistete Darlehenszahlungen sind für den Banker also jederzeit und tagesaktuell gut sichtbar.

Was Gift für jeden Kredit ist

  • Wenn Zins und Tilgung öfters und insbesondere in Folge nicht bezahlt werden;
  • Lange, hohe und unangekündigte Überziehungen von KK-Krediten;
  • Rücklastschriften, Konto-Pfändungen (Finanzamt, Kranken- und Sozialkassen);
  • Inkasso-Maßnahmen, Vollstreckungen und die Präsentation von Titeln.

Das ist das schlimmste, was aus Sicht der Bank passieren kann. Solche Maßnahmen führen sehr schnell zu einer dramatischen Rating-Verschlechterung. Steuert der Kreditnehmer hier nicht sofort dagegen, dann kann dies direkt in die Kreditkündigung führen.

Gerade Pfändungen und Vollstreckungen lassen Banken bei Kontokorrent-Krediten hier oft gar keine andere Wahl als die Kündigung der Linie. Was vielen Unternehmern nicht bewußt ist: Rücklastschriften und Inkassomaßnahmen wegen Peanuts-Beträgen haben aus Bankensicht – zumindest formal – genau die gleiche negative Auswirkung wie eine fünfstellige Kontopfändung wegen nicht gezahlter Umsatzsteuer.

Was Banker sonst noch stört („weiche Faktoren“)

Banker sind auch nur Menschen. Und Menschen urteilen nicht nur nach Zahlen und Fakten, sondern auch nach Eindrücken und Bauchgefühlen. Und auch wenn das in keinem Kreditvertrag steht, gibt es auch einige weiche Faktoren, die den Kunden wichtige Sympathien seines Bankberaters kosten können.

  • Teure, kreditfinanzierte oder geleaste Firmenautos trotz starker Verluste und Kontoüberziehungen;
  • Kunden, die über ihre Verhältnisse – Haus, Auto, Urlaub, Schmuck, Jacht – leben, obwohl die Firma seit Jahren Verluste schreibt,
  • Wenn Unternehmer sich trotz Firmenkrise hohe Gehälter auszahlen, die dann auch noch über die Bank finanziert werden.

Vorsicht vor neuen und scharfen Hunden!

Neue Besen kehren besser, heißt es. Manchmal gibt es Konstellationen in Banken, die zu einer Kreditkündigung führen, auch wenn die bis jetzt genannten Gründe nicht alle zutreffen[7]. Daß passiert dann, wenn ein neuer Regionalleiter oder Risikomanager daherkommt, der sich vielleicht auch noch ein bißchen profilieren will. Die folgenden Fälle sind mir bekannt:

  • Ein neuer Risikomanager, der für zehn Filialen zuständig ist, will systematisch und rasch abbauen;
  • Dazu läßt er sich von allen Zweigstellen die Firmenkunden mit den miesesten Ratings geben und geht nun gezielt daran, diese Unternehmen loszuwerden;
  • Eine ähnliche Konstellation kann sich ergeben, wenn eine Bank von einer anderen übernommen wird. Es ist kein Geheimnis, daß die HypoVereinsbank-Gruppe 2005 nach der Übernahme durch die italienische UniCredit flächendeckend und sehr gezielt schlechte Firmenkunden abgebaut hat.

Wann ein Kredit gekündigt werden kann

Ein Kredit kann – ordentlich wie außerordentlich – gekündigt werden, wenn:

  • Zins- und Tilgung wiederholt nicht erbracht werden;
  • Der Kreditnehmer seine wirtschaftlichen Verhältnisse nicht offen legt, also Bilanzen/Jahresabschlüsse und BWAs nicht regelmäßig und zeitnah[8] an die Bank weitergibt;
  • Der Kunde falsche Angaben über seine Vermögensverhältnisse (auch die privaten!) gemacht hat, die für die Kredit-Entscheidung von erheblicher Bedeutung waren;
  • Die vereinbarten Sicherheiten nicht gestellt wurden, nicht mehr vorhanden sind oder deutlich an Wert verloren haben;
  • Andere Banken oder Kreditversicherer[9] die Geschäftsverbindung gekündigt haben;
  • Sich die wirtschaftliche Lage (auch die private!) des Kreditnehmers wesentlich verschlechtert.

Die gute Nachricht ist: Wenn Sie Zins und Tilgung bedienen, den Kontokorrent nicht andauernd überziehen, die Zahlen regelmäßig auf den Tisch legen und die vereinbarten Sicherheiten liefern, dann wird Ihnen aus heiterem Himmel auch keine Kreditkündigung ins Haus flattern.

Wie ein Kredit gekündigt wird

Wenn es zu anhaltenden Leistungsstörungen – wie Banker Probleme bei Kreditnehmern nennen – kommt, wird irgendwann der Kreditvertrag gekündigt. Aber selbst dann passiert das fast nie von heute auf morgen. Oft vergehen zwischen dem Beginn der Probleme, der schlußendlichen Kreditkündigung und der Verwertung der Sicherheiten mehrere Jahre. Hier ein Überblick, wie Kredite zu Ende gehen:

  • Der Kunde wird aufgefordert, die überfälligen Zahlungen zu leisten oder die Kontokorrent-Line in den vereinbarten Rahmen zurückzuführen;
  • Der Kunde wird informiert, daß bankintern ab sofort die Sanierungsabteilung[10] für ihn zuständig ist;
  • Damit geht das Kreditengagement aus der normalen Betreuung heraus, die Zuständigkeiten wechseln, für den Bankkunden bedeutet das, daß er nun einen anderen Betreuer hat;
  • Von der Sanierungsabteilung kommt man nur in zwei Richtungen wieder weg: Zurück in die reguläre Betreuung – oder in die Abwicklung, sprich: Kündigung;
  • In der Sanierungsabteilung gibt es keine neuen Kredite (auch keine privaten!), die Kontokorrent-Linie wird nicht mehr ausgeweitet und Überziehungen werden nicht mehr zugelassen;
  • Auch der Intensiv-Berater kündigt den Kredit nicht sofort, sondern bemüht sich zusammen mit dem Kreditnehmer (manchmal jahrelang) um eine Sanierung;
  • Stellen Sie sich jedoch darauf ein, daß Ihr Intensivbetreuer klare Worte redet und energische und nachvollziehbare Sanierungsbemühungen verlangen wird;
  • Selbst eine fristlose Kündigung ist erst nach dem erfolglosen Ablauf einer zur Abhilfe bestimmten angemessenen Frist oder nach einer erfolglosen Abmahnung möglich;
  • Und erst wenn wirklich alle diese Bemühungen gescheitert sind, bekommt der Kunde schließlich einen Brief, in dem er aufgefordert wird, den ganzen Kredit binnen einer angemessenen Frist (4 Wochen bis mehrere Monate) zurückzuführen.
  • Die nächste (und letzte) Station innerhalb der Bank ist dann die Abwicklungsabteilung, die die Verwertung der Sicherheiten vornimmt.

Was nach der Kreditkündigung passiert

Wer noch nie eine fristlose Kreditkündigung miterlebt hat, der kann sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das ist. Hier sind die häufigsten Nebenwirkungen:

  • Insolvenz des Unternehmens;
  • Privatinsolvenz der Unternehmer-Person: Restschuldbefreiung nach sechs Jahren, bis dahin Leben auf Hartz-IV-Niveau;
  • Verwertung der Grundschulden: Privathaus, Ferienwohnung und Firmenimmobilie werden verkauft oder versteigert;
  • Verwertung der Pfänder: Aktiendepot, Lebensversicherung und Altersvorsorge sind weg;
  • Inanspruchnahme der Bürgschaften: Bürgen (Freunde, Verwandte und Bekannte) büßen Teile ihres Vermögens ein oder gleich das ganze;
  • Negative Schufa-Einträge für Gesellschafter und Geschäftsführer: Kein Handyvertrag mehr, keine Kreditkarten, keine Leasingverträge, keine Amazon-Bestellungen (außer per Nachnahme);
  • Jahrelange (bis 8 Jahre) Negativmerkmale bei Auskunfteien wie Creditreform, Bürgel, D&N;
  • Folge der Negativmerkmale: Jahrelang kein GmbH-Geschäftsführer mehr, keine Neugründung eines Unternehmens möglich; keine Neukredite.
  • Strafbefehl oder Haftbefehl zur Erzwingung der eidesstattlichen Versicherung;
  • Schande, Scheidung, Krankheit, Tod.

Wie ich Ihnen helfe

In vielen Fällen läßt sich eine Kreditkündigung verhindern. Aber das funktioniert nur, wenn sofort das Richtige getan wird. Wenn Ihnen selbst, Ihren Mandanten, Kunden oder Geschäftspartnern die Kreditkündigung droht, dann reden Sie mit mir. Lieber heute als morgen!

Ich kenne die Probleme seit Jahren und finde die richtigen Lösungen. Oft kann ich auch in Situationen, die dem Laien total ausweglos erscheinen, noch Auswege aufzeigen. Aber dafür müssen Sie mir Ihre Lage schildern und dann das umsetzten, wozu ich Ihnen rate.

Rufen Sie mich jederzeit an: 0 63 24-97 99 49.

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[1] Eine Betriebsmittellinie nennt man auch „Kontokorrentlinie“, „Kontokorrentkredit“ oder „Dispolinie“.

[2] Quelle: Allgemeine Geschäftsbedingungen der privaten Banken auf: www.bankenverband.de. Abgerufen am 6.6.2012. Die AGBs der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehen kaum anders aus.

[3] § 18 KWG („Kreditunterlagen“) heißt es: (1) Ein Kreditinstitut darf einen Kredit, der insgesamt 750 000 Euro oder 10 vom Hundert des haftenden Eigenkapitals des Instituts überschreitet, nur gewähren, wenn es sich von dem Kreditnehmer die wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse, offen legen läßt. Das Kreditinstitut kann hiervon absehen, wenn das Verlangen nach Offenlegung im Hinblick auf die gestellten Sicherheiten oder auf die Mitverpflichteten offensichtlich unbegründet wäre.

[4] Planzahlen sollten bei Wirtschaftsjahr = Kalenderjahr immer Ende November für das Folgejahr vorgelegt werden.

[5] Sinnvoll sind Quartalsberichte.

[6] Die ewigen Knackpunkte sind: Auftragseingänge und Auftragsbestand, Werthaltigkeit der Debitorenforderungen laut OPOS-Listen, Unfertige Leistungen, Bestandsveränderungen, Inventurwerte.

[7] Diese Problematik wird zumindest angerissen in: Ernst Burger: Bankverhandlungen richtig führen, Empfehlungen eines Insiders. Haufe-Mediengruppe, Freiburg Berlin München 2010, S. 136.

[8] Faustregel: BWAs sollten am 10. des Nachmonats im Unternehmen vorliegen und am nächsten Tag als PDF-Dateien an die Bank gehen. Jahresabschlüsse sollten bei Wirtschaftsjahr = Kalenderjahr bis Ende Mai des Folgejahres an die Bank gegeben werden.

[9] z.B. Euler-Hermes oder Atradius

[10] Umgangssprachlich auch „Intensivstation“ genannt. Bei manchen Banken heißt sie auch „Consulting-Abteilung“.