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Was ist Fracking und welche Auswirkungen hat es?

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Kalter Kaffee: BND-Studie zum Fracking

Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist der mit Abstand sympathischste Geheimdienst der Welt. Stets ist man bemüht, keinen Menschen in ein schlechtes Licht zu rücken, ganz egal, wie wenig der oder die auch weiß. Das meiste von dem, was die Behörde an die Öffentlichkeit gibt, konnte man schon Monate vorher ganz entspannt in der Zeitung lesen. So verhält es sich auch beim sog. „Fracking“.

„Fracking“ – so nennt man ein Verfahren, mit dem man Erdöl und Erdgas aus tiefliegenden Gesteinsschichten, meist Schiefer, herauslöst. Dazu werden unter hohem Druck große Mengen an Wasser und Sand zusammen mit einem Chemikalien-Cocktail in tiefliegende Gesteinsschichten eingepreßt.

Erdgas ist nun bald wieder so billig, wie es Mitte der 1980er-Jahre war.

Im Prinzip existiert das Verfahren seit 50 Jahren. Wirtschaftlich wurde die Technik jedoch erst in den 1990er Jahren, als der amerikanische Ölmagnat George P. Mitchell eine Methode fand, Erdgas durch kilometerlange Horizontalbohrungen aus Schiefer- und Tonschichten zu lösen, die bis zu vier Kilometer in der Tiefe liegen. Seit zehn Jahren nun wird in den USA Schiefergas gefördert auf Teufel komm raus. Die Zahlen hinter dieser Entwicklung sind atemberaubend: Die nachgewiesenen Erdgasreserven der USA und die Anzahl der Bohrlöcher haben sich in 20 Jahren verdoppelt. Importe und Preise liegen auf dem niedrigsten Stand seit 2007, der Erdgaspreis ab Bohrloch („Wellhead Price“) hast sich seit 2003 halbiert. Erdgas ist nun bald wieder so billig, wie es Mitte der 1980er-Jahre während der Präsidentschaft Ronald Reagans war.

USA werden bis 2020 zum größten Erdöl-Exporteur der Welt aufsteigen

Laut den Studien der amerikanischen „Energy Information Administration“ (EIA), dem Statistik-Arm des US-Energieministeriums, wird Erdgas bis zum Jahr 2040 einen immer größeren Anteil (28 Prozent) am US-amerikanischen Energieverbrauch einnehmen, während der Anteil von Erdöl von heute 36 auf 32 Prozent zurückgehen wird. Wenn wir nun noch die zunehmende Erdölproduktion durch Fracking, immer mehr Autos mit niedrigem Benzinverbrauch und den technischen Fortschritt bei den Fördermethoden berücksichtigen, dann werden die USA bis 2020 vom größten Erdölimporteur der Welt zum ihrem größten Exporteur aufsteigen.

Renaissance der Kernenergie wird nicht stattfinden

Das wird für Weltwirtschaft und Geopolitik gravierende Auswirkungen haben. Die Wirtschaft der großen OPEC-Staaten von Saudi-Arabien bis Venezuela und Mexiko wird gewaltig unter Druck kommen. Die Bedeutung dieser Länder aus Sicht USA wird sinken, weshalb sie sich enger an China anschließen werden, den größten Erdölexporteur der Zukunft. Der Verlierer aus diesem geostrategischem Schach wird Israel sein, das als Bastion Amerikas gegen die arabischen Staaten nicht mehr notwendig ist – eine Entwicklung, die die Regierung Obama längst begonnen hat. Im Iran, in Mexiko und Venezuela könnte politische Instabilität drohen. Die Renaissance der Kernenergie, die zumindest für die USA seit Jahren vorausgesagt wird, dürfte damit nicht stattfinden.

Nicht die BND-Kunden, sondern die Leser des Economist wissen mehr

Dies alles hat nun auch der BND in einer Studie jüngst festgestellt. Eine nützliche Fleißarbeit, ganz bestimmt, nur: wer regelmäßig die großen angloamerikanischen Wirtschaftspublikationen (z.B. den Economist) liest, der weiß das längst.

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