Geld? Oder Leben?

!A&C Mittelstandsberatung GmbH

17. Juli 2013
von Markus Brandstetter
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Mehr, besser und schneller verkaufen


Analysieren geht über probieren (mit Download)

Vor dem Verkaufen steht die Analyse. Wer sich ausführliche und gute Gedanken darüber macht, was er eigentlich genau verkauft, der verkauft mehr, besser und leichter als derjenige, der einfach loslegt. Wissen wir einmal, was genau wir wirklich verkaufen – dann beantworten sich die Fragen, wie wir an wen verkaufen, ganz von selbst.

Verkaufen besteht nicht aus Totreden, mit Broschüren zuschmeißen und mit Informationen überhäufen – sondern aus der sorgfältigen Untersuchung von Kundenbedürfnissen und der exakten Analyse des Produktnutzens.

Gute Verkäuferinnen und Verkäufer fragen sich zuerst: Was genau wollen und brauchen meine Kunden? Und dann: Wie müssen meine Produkte und Dienstleistungen also funktionieren, konstruiert, gestaltet und geartet sein, um dem Kunden einen maximalen und möglichst vielfältigen Nutzen zu bringen?

Das hört sich jetzt vielleicht furchtbar nach Wissenschaft, Langeweile und dicken Büchern an, aber so schlimm ist das nicht. Ein bißchen Theorie und viel Praxis ergeben auch hier die richtige Mischung. Und das Schöne ist: Hat man das einmal verstanden, dann läßt sich dieses System auf alle Verkäufe überall anwenden.

Im Zentrum unserer Analyse steht – nach dem Kunden – der Nutzen, den unsere Produkte und Dienstleistungen dem Kunden bringen bzw. nach entsprechender Anpassung bringen können.

Wir verkaufen nie ein Produkt oder eine Dienstleistung, sondern immer nur den Nutzen davon

Der Schweizer Verkaufstrainer Umberto Saxer, eine absolute Kapazität bei allen Fragen des Verkaufens und selbst eine Verkaufslegende, schreibt: „Wir kaufen oder verkaufen nie ein Produkt oder eine Dienstleistung! Wir verkaufen immer nur den Nutzen, den ein Produkt oder einer Dienstleistung bringt.“ ( Umberto Saxer: Bei Anruf Erfolg. Redline Verlag,  4., überarbeitete Auflage, München 2008. S. 64)

Das ist eine der großen Wahrheiten bei allen Verkäufen, weshalb ich sie gleich wiederhole: Wir kaufen und verkaufen immer nur den Nutzen, den ein Produkt oder ein Dienstleistung uns bringt – und nie das Produkt selber. Darum verkauft BMW auch keine Autos, sondern „Spaß am Fahren“.

Vor dem Verkaufen müssen wir also analysieren, welchen Nutzen unsere Produkte und Dienstleistungen unseren Kunden bringen. Das Schöne dabei ist: die meisten Produkte und Dienstleistungen bringen nicht nur einen Nutzen, sondern gleich mehrere – was die Verkaufschancen erhöht. Deshalb kann man den Kundennutzen in verschiedene Nutzenklassen einteilen.

Eine sorgfältige Analyse der Nutzenklassen aller Produkte und Dienstleistungen ist das A und O für jedes Unternehmen. Wer den Nutzen all seiner Produkte kennt und vermitteln kann, der hat nicht nur viel mehr und viel reichhaltigere Argumente, sondern überzeugt auch im Kundengespräch wesentlich besser.

Verkaufsgespräche, Werbung, Internetauftritte, Produktbroschüren, Prospekte, Werbeschreiben, Flyer, Kundenunterlagen – alles das wird durch die Vermittlung des Kundennutzens viel überzeugender und schlagkräftiger.

Was ist also der Kundennutzen? Das ist die Summe aller Vorteile, die ein Produkt oder eine Dienstleistung dem Kunden bringt. Diese Vorteile lassen sich in neun Klassen einteilen. Richtig: in nur neun Nutzenklassen. Nicht mehr! Das macht alles viel einfacher.

Alles, was Sie wissen müssen, gibt’s hier zum kostenlosen Download: Die 9 Nutzenklassen bei jedem Verkauf

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16. Mai 2013
von Markus Brandstetter
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Presentation in Chinese: Investment Opportunities for Chinese in Germany (PDF-Download)


Here comes my new presentation for Chinese buyers of German real-estate. All Chinese interested in investing in Germany will find here all the information they are going to need.

The information is comprehensive, up-to-date and accurate.

An English-Chinese version will be available shortly!

Download full Chinese presentation here (click twice):

中国人在德国的投资机会

 

9. April 2013
von Markus Brandstetter
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Coaching und Beratung: Was tue ich eigentlich genau?


Was tue ich? Was bringt mir das? Gibt es Fördermittel?

Manchmal werde ich gefragt: Was tut ein Berater und Coach eigentlich wirklich – außer natürlich Honorare abrechen? Was bringt das meinen Kunden? Und was kostet sie das? Hier ist meine Antwort:

Das bringe ich meinen Kunden

  • Ideen: Innovative Ideen, Konzepte, Anregungen für neue Produkte, neue Geschäftsfelder, neue Lieferanten, neue Absatzgebiete;
  • Entspannung: Wege, den Streß zu besiegen;
  • Zeit: Intelligentes Zeitmanagement, durch das Sie mehr Zeit für Familie, Hobbys und Freunde haben;
  • Liquidität: Den richtigen Werkzeugkasten für alle Finanzierungsfragen und die komplette Erstellung von Bankunterlagen (Controlling, Reporting), mit denen Sie rasch mehr Geld zu besseren Konditionen bekommen (bei Bankgesprächen bin ich dabei);
  • Rat und Tat: Deal-Coaching in kniffligen Situationen: z.B. wenn ein Großkunde zu gewinnen ist, ein Problem mit einem Lieferanten zu lösen, es im Team nicht stimmt oder ein Mitarbeiter aus der Spur läuft;
  • Aufbrüche: Fort mit Tunneldenken, eingefahrenen Geleisen und Blockaden;
  • Zukunft: Neue Strategien, Produkte und Dienstleistungen für morgen und übermorgen;
  • Klartext: Ich biete Ihnen eine intelligente, kritische zweite Meinung, Gedankenaustausch und Lösungen zu allen Problemen in Markt und Unternehmen, Führung und Personal;
  • Ein offenes Ohr: Individuelles Coaching, das Sie als Person in den Mittelpunkt stellt – keine Beratung von der Stange, keine bunten Präsentationen, die in der Schublade landen, keine 08/15-Konzepte;
  • Alles, was ich kann: 15 Jahre Erfahrung aus 250 Beratungen, vielen Branchen und beste Referenzen.

Wie funktioniert das?

Rufen Sie mich einfach an – 0 63 24-97 99 49!

Oder schreiben Sie mir eine kurze Mail: mb@ac-mittelstand.de. Vereinbaren wir einen Termin für ein kostenloses und absolut unverbindliches Erstgespräch!

Und wenn Ihnen das gefallen hat, dann machen wir ein kostenloses Schnuppercoaching. Das ist richtig: Sie kaufen die Katze nicht im Sack! Ich biete Ihnen zwei kostenlose Beratungsstunden an. Und erst dann, wenn Sie wirklich zufrieden sind, regelt alles weitere ein fairer Vertrag.

Wird Beratung gefördert?

Ja! Bis zu 4000,- Euro Beratungskosten sind (bei Erfüllung aller Voraussetzungen) durch die KfW förderbar. Ich bin anerkannter KfW-Berater. Mit 4000,- Euro läßt sich eine Menge bewegen!

12. März 2013
von Markus Brandstetter
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Zum Wagner-Jahr: Tannhäuser in der Biogasanlage


wagner, musik, bayreuthWas passiert in Bayreuth mit unseren Steuergeldern eigentlich genau?

Der Komponist Richard Wagner wurde 1813 geboren und ist 1883 gestorben. 2013 wird also das Super-Wagner-Jahr schlechthin werden. Um das gebührend zu feiern, hat die Wagner-Stadt Bayreuth schon im letzten Jahr ein kunterbuntes Programm angekündigt, das einen etwas angestrengten Weg zwischen Ernst und Klamauk sucht. Im Juli 2013 werden dann die Bayreuther Festspiele eine Neuinszenierung des Rings des Nibelungen herausbringen, vor der sich manche Leute ja heute schon fürchten. Es tut sich also etwas in der Wagnerstadt, die Frage ist nur – hat der ganze Betrieb noch viel mit Wagner zu tun?

Lohengrin als Sanierungsmanager

Die Frage ist berechtigt, weil z.B. in Wagners Oper Lohengrin der Titelheld eindeutig als „Ritter“ bezeichnet wird. In Hans Neuenfels‘ Bayreuther Neuinszenierung von 2010 jedoch waren die in der Oper zahlreich auftretenden Ritter zu Laborratten mutiert, Grafen und Edle zu Laboranten, während Lohengrin selbst als Sanierungsmanager auftrat, der den verschlampten Rattenkonzern auf Vordermann bringen sollte. Der Schwan war selbstverständlich schwarz und hatte viel Ähnlichkeit mit Hansruedi Gigers Alien aus dem gleichnamigen Horrorfilm. Weiterlesen →

5. März 2013
von Markus Brandstetter
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Wie ich berate


Coaching und Beratung sind bei mir individuell

Früher war das so: Da hatte ein Berater einen bestimmten Ansatz, gewisse Kenntnisse, Stärken und Erfahrungen – und entsprechend hat er dann auch beraten.

Das war keineswegs immer falsch. Auch ich habe so angefangen. Aber die Zeit ist nicht stehen geblieben. Heute ist Beratung im Mittelstand individuell, fall- und firmenbezogen, spezifisch, ja maßgeschneidert. Das alte Modell „One Size Fits All“ (eine Größe für alle) funktioniert einfach nicht mehr.

Die zweite Erkenntnis ist: Im Mittelstand sind Mensch und Firma untrennbar miteinander verbunden. Deshalb berate ich nicht mehr nur Unternehmen, sondern coache auch den Unternehmer bzw. die Unternehmerin oder auch Mitarbeiter.

Dazu habe ich zwei Fragebögen entwickelt (siehe unten), einen für die Unternehmerin bzw. den Unternehmer und einen für die Firma. Die stehen am Anfang jeder Beratung. Die Erfahrung zeigt: Nur das Ausfüllen dieser Fragebögen genügt, um die Beratung gleich von vornherein in die richtige Richtung zu lenken. Ein einfaches, aber wertvolles Hilfsmittel.

Hier sind die beiden Fragebögen, mit denen bei mir jede Beratung beginnt: Weiterlesen →

5. März 2013
von Markus Brandstetter
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Was ist Fracking und welche Auswirkungen hat es?


Kalter Kaffee: BND-Studie zum Fracking

Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist der mit Abstand sympathischste Geheimdienst der Welt. Stets ist man bemüht, keinen Menschen in ein schlechtes Licht zu rücken, ganz egal, wie wenig der oder die auch weiß. Das meiste von dem, was die Behörde an die Öffentlichkeit gibt, konnte man schon Monate vorher ganz entspannt in der Zeitung lesen. So verhält es sich auch beim sog. „Fracking“.

„Fracking“ – so nennt man ein Verfahren, mit dem man Erdöl und Erdgas aus tiefliegenden Gesteinsschichten, meist Schiefer, herauslöst. Dazu werden unter hohem Druck große Mengen an Wasser und Sand zusammen mit einem Chemikalien-Cocktail in tiefliegende Gesteinsschichten eingepreßt. Weiterlesen →

1. März 2013
von Markus Brandstetter
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Management in 10 Worten (Buchbesprechung)


Eines der besten Wirtschaftsbücher des Jahres 2012

Das gibt es diese Geschichte aus dem Jahr 1997, die ganz anders klingt, als das, was man sonst aus der harten Welt der Unternehmen und Manager hört. Da ist auf der einen Seite der britische Top-Manager Terry Leahy, der soeben Vorstandsvorsitzender der britischen Supermarktkette Tesco geworden ist. Auf der anderen Seite ist da Patricia Whewaye, eine arbeitslose Mutter aus London, die einen Sohn hat, der an Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) leidet. Die Mutter kauft gerne in den Tesco-Märkten ein, aber die führen keine glutenfreien Nahrungsmittel. Was tut die Frau also? Sie ruft den obersten Boß an, Terry Leahy persönlich. Zehnmal wird sie abgewimmelt, aber beim elften Mal hat sie den Chef von damals 250.000 Mitarbeitern an der Strippe und sagt ihm, daß sie mit ihm reden will. Unter vier Augen. Weiterlesen →

1. März 2013
von Markus Brandstetter
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Das kommende Erdbeben


Das Internet wird dem Einzelhandel schwer zusetzen

Was Einzelhändler dagegen tun können

Es gibt eine Menge schöner Zukunftsprognosen, die viele gerne glauben, weil sie sich angenehm anhören und uns keine Veränderungen abverlangen: Krebs wird bald heilbar sein, auf dem Mars wird Leben entdeckt werden und die Iraner werden die Kernenergie ausschließlich friedlich nutzen. Viel weniger angenehm klingen Prognosen, die den Untergang traditioneller Wirtschaftszweige vorhersagen, weil sie uns zu Veränderungen zwingen und meist viel wahrscheinlicher sind als das Leben auf dem Mars. Zu diesen unbeliebten Prognosen gehört die, daß das Internet den Einzelhandel in den nächsten zehn Jahren einschneidend verändern wird.

Alle Zahlen weisen in diese Richtung: 3,4 Prozent aller Güter und Waren werden in der EU über das Internet verkauft; in den USA sind es 4,6 Prozent. Das ist nicht viel, aber es wird bald viel mehr sein. Zwischen 2004 und 2012 hat sich die Anzahl der Menschen, die etwas im Internet gekauft haben, verdoppelt. Schon heute erledigen die Menschen zwischen Zwanzig und Dreißig ein Viertel ihre Einkäufe im Internet; bald wird es die Hälfte sein, in zehn Jahren werden es alle sein. Weiterlesen →

28. Februar 2013
von Markus Brandstetter
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Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln (Buchbesprechung)


Wie Mittelständler leichter und schneller an Kredite kommen

Die meisten Fehler, die ein Unternehmer macht, kann er wieder rückgängig machen. Das mag Zeit und Geld kostet, aber in der Regel gelingt es: Der miese Mitarbeiter wird entlassen, der schlechte Firmenwagen verkauft, der Bürostuhl mit Massage-Funktion gegen einen normalen ausgetauscht, der Anwalt, der Prozesse verliert, durch einen Kollegen ersetzt. Andere Entschlüsse sind jedoch nicht so leicht zu korrigieren. Die falsche Unternehmensfinanzierung, ein schlechtes Kreditrating, die Herausgabe von Sicherheiten, die dann auf Jahrzehnte nicht mehr zurückkehren, oder gar die Kündigung der Betriebsmittellinie – das sind Entscheidungen und Ereignisse, die ein Unternehmer entweder gar nicht mehr oder nur unter großen Schwierigkeiten rückgängig machen kann. So viele Bücher es zu Themen wie Führung, Marketing oder Geldanlagen gibt, so wenige existieren zur Frage der Finanzierung im Mittelstand – und dabei ist die richtige Finanzierung die halbe Miete. Diese seit Jahren fühlbare Lücke schließt nun ein Buch, das dem Mittelständler erklärt, wie er bei Banken an Kredite kommt, wie er bestehende Kreditkonditionen verbessert und wie er auch in Krisenzeiten den Kredithahn offen hält.

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27. Februar 2013
von Markus Brandstetter
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Kampf der Kulturen


Ein Amerikaner leuchtet den Franzosen heim

Die Franzosen haben den Camembert, das Chanson und die Revolution erfunden. Also ganz schön viel. Nur die Arbeit, die haben die Franzosen nicht wirklich erfunden. Dafür haben sie auf die Freizeit ein Patent genauso wie auf Bordeaux, Baguette und Gauloises. Die Amerikaner auf der anderen Seite arbeiten Tag und Nacht, essen in ihren kurzen Zwischenpausen Burger und sind mit einer einzigen Käsesorte, dünnem Bier und kalifornischem Chardonnay vollkommen zufrieden. Weiterlesen →

27. Februar 2013
von Markus Brandstetter
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Der Meister der leeren Versprechungen


Dieter Zetsche ist nur noch Daimler-Chef auf Abruf

Staatsoberhäupter, Könige, Diktatoren, Gangster und Millionäre fahren in vielen Filmen zwischen 1950 und 2000 Mercedes. Und so wurden Marke und Produkt damals auch wahrgenommen: als das Prämiumprodukt schlechthin. Mit diesem schönen Schein ist es aber schon länger vorbei. Unter den zehn beliebtesten Autos in Deutschland ist Daimler nur noch mit der C-Klasse vertreten. Die Umsätze stagnieren, die Gewinne schrumpfen. Der neuen Lieferwagen Citan erntete Hohn und Spott der Tester, da er nichts anderes ist als ein aufgemotzter Renault Kangoo. Mit der neuen A-Klasse werden Senioren, früher die besten Kunden dafür, systematisch vergrault. Im Luxussegment fährt die Marke mit dem Stern BMW, Audi und inzwischen sogar VW seit Jahren hinterher. Weiterlesen →

28. November 2012
von Markus Brandstetter
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Wenn das Finanzamt vor der Tür steht


Der Flankenschutzbeamte

Wenn das Finanzamt klingelt, dann kommt der Flankenschutzbeamte. Der wer? Nochmal und ganz langsam zum Mitschreiben : Der Flanken-schutz-beamte. Was ist das nun für ein Wundertier?

Wie sein schön gewählter Name schon sagt, unterstützt er die Finanzbeamten bei Hausbesuchen mit flankierenden Maßnahmen. Dieser Ausdruck, der aus dem militärischen Bereich stammt, ist nicht zufällig gewählt – seit Jahren schon führen die Finanzämter einen veritablen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Obwohl die Steuergelder sprudeln wie nie zuvor, ist der Staat unersättlich mit seiner Gier nach immer neuen und immer mehr Steuern. Denn Milliarden und Abermilliarden gehen nach Brüssel und von dort in die maroden EU-Südländer. Die Steuern, die die Griechen nie bezahlen und statt dessen schwarz in die Schweiz verschieben, die müssen dann eben hier bei uns eingetrieben werden, um schließlich als Hilfspakete in den Süden zu wandern. Und dabei hilft der Flankenschutzbeamte.

Überprüfung direkt vor Ort

Erfunden wurden Beruf und Bezeichnung in Nordrhein-Westfahlen vor zehn Jahren. Inzwischen sind die Leute in der ganzen Republik unterwegs. Ihre Aufgabe ist es, direkt vor Ort beim Steuerzahler zu überprüfen, ob seine Angaben an das Finanzamt auch stimmen. Da wird dann geschaut, ob das in der Steuererklärung angegebene Heimbüro nicht zufällig das Wohnzimmer ist, ob die neue Gasheizung auch wirklich in der vermieteten Wohnung und nicht etwa in der eigenen ihren Dienst tut, ob der Dienstwagen für die im Betrieb beschäftigte Gattin nicht hauptsächlich für die Fahrten ins Fitneßstudio zum Einsatz kommt. Weiterlesen →

28. November 2012
von Markus Brandstetter
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EU-Regelungswut – Ab 2013 müssen Hausbesitzer Energieausweise vorlegen


Bürokraten und Kobras

Als Indien noch britische Kolonie war, gab es dort einmal eine Kobra-Plage. Die Giftschlangen vermehrten sich stark und bedrohten Mensch und Tier. Um der Plage Herr zu werden, setzte die Kolonialverwaltung Prämien auf tote Schlangen aus. Die Kobras wurden jedoch nicht weniger, sondern mehr. Was war geschehen? Richtig: Die Inder hatten angefangen, Kobras zu züchten, um die Prämie zu kassieren. Die Maßnahme wurde über Nacht wieder abgeschafft. So geht es, wenn Bürokraten glauben, sie müßten alles regeln.

Hohe Strafen drohen

Das hiesige bürokratische Äquivalent zur Kobra-Prämie ist der Energieausweis für Privathäuser. Was das ist? Das ist ein Dokument, in dem der gesamte Energieverbrauch eines Wohngebäudes von einem zertifizierten Experten bescheinigt wird. Seit 2008 schon muß jeder Hausbesitzer so etwas haben, gekümmert hat sich bislang aber keiner drum, weil der Energieausweis nur eine Rolle spielte, wenn ein Käufer oder Mieter ausdrücklich einen verlangte. Damit ist jetzt Schluß. Ab Januar 2013 muß der Energieausweis bei Verkauf und Vermietung unaufgefordert vorgelegt werden. Immobilienvermieter und –verkäufer müssen den sog. „Energieverbrauchskennwert“ eines Gebäudes bereits in ihren Anzeigen nennen. Tut sie dies nicht, drohen ihnen Bußgelder bis zu 15.000 Euro. Andere Verstöße gegen die Energieeinsparverordnung (EnEV) können zwischen 5.000 und 50.000 Euro kosten. Natürlich kann man auch mehrfach bestraft werden. Hinter diesem neuen Regelungstrara steckt eine Entscheidung der EU, die auf der EU-Gebäuderichtlinie von 2010 basiert. Diese wird jetzt in nationales Recht umgewandelt und gilt seit 2012 auch in Deutschland. Weiterlesen →

26. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Die Target-Falle (Buchbesprechung)


Hans-Werner Sinns Fundamentalkritik am Euro-System

Der Euro sollte Europa Frieden, Freiheit und Wohlstand bringen. Gebracht hat er Schulden; Arbeitslosigkeit, Streit und Haß. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg standen sich die Nationen Europas so unversöhnlich gegenüber wie heute. „Aus Freunden und Nachbarn wurden Gläubiger und Schuldner“, schreibt Hans-Werner Sinn in seinem neuen Buch, in dem es keineswegs nur um die Target-Kredite geht, sondern um die ganze Eurokrise. Wie konnte es soweit kommen?

Das billige Geld löst einen Ausgaben- und Konsumrausch aus

Alles beginnt 1995, als der Europäische Rat in Madrid festlegt, wie, wann und wo der Euro physisch eingeführt wird. Ab da wissen Banker, Finanziers Vermögensverwalter und Investoren, daß es ab 1999 in der Euro-Zone keine Wechselkursrisiken mehr geben wird. Also gleichen sich die Zinsen im späteren Euro-Raum sehr rasch aneinander an. Griechenland, Portugal, Italien, Spanien – Länder die vor dem Euro weit über 10 Prozent an Zinsen auf Staatsanleihen und immer fünf Prozent mehr als Deutschland bezahlen mußten, bekommen die deutschen Niedrigzinsen. In wenigen Jahren fließen aus Deutschland, Holland, Frankreich und Italien ungeheure Kreditsummen in die Südländer und nach Irland. Das billige Geld löst einen Ausgaben- und Konsumrausch aus. In Portugal und Griechenland werden die Beamtengehälter verdoppelt, Autos und Konsumgüter angeschafft wie nie zuvor. In Spanien und Irland fließen die Gelder an Banken und Sparkassen, die sie als billige Hypothekenkredite weiterreichen. Jeder baut sich ein Haus oder kauft eine Wohnung, viele kaufen gleich zwei oder drei, Eigenkapital ist keines nötig, und mit der Hypothek für die Wohnung wird der neue Geländewagen gleich mitfinanziert. Jeder fünfte Spanier und Ire macht in Immobilien, alle sind plötzlich Bauträger, Makler, Planer und Vermittler. Madrid, Barcelona und Dublin werden mit Gürteln aus Wohnblöcken und Reihenhäusern umgeben, die keiner braucht, in die aber jeder investiert. Dadurch steigen in den Südländern und Irland die Preise, Löhne und Gehälter um 50 bis 70 Prozent, ohne daß sich die Produktivität erhöhte, während deutsche Exporte relativ dazu günstiger werden und die Produktivität stetig zunimmt. Die heutigen Krisenländer importieren Jahr für Jahr viel mehr als sie exportieren – und das alles auf Pump. Weiterlesen →

9. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Buchbinder spielt Beethoven


Rudolf Buchbinder spielt die Beethoven-Sonaten neu und live ein

Beethoven hat eine Oper, 9 Symphonien, 18 Streichquartette und 32 Klaviersonaten geschrieben. So wie für Haydn das Streichquartett und für Mozart die Symphonie die zentrale Gattung war, war es für Beethoven die Klaviersonate. In den Sonaten hat er alles ausgedrückt, was ihn in 30 Jahren bewegt, bedrückt und betroffen hat. Er hat sie den Frauen gewidmet, in die er unglücklich verliebt war; in ihnen hat er dem Schicksal gedankt, als er eine Gelbsucht überstanden hatte; und er hat z.B. in der Les-Adieux-Sonate erst getrauert, als sein Schüler, Gönner und Freund Erzherzog Rudolf wegen Napoleon 1809 Wien verlassen mußte, und sich überschwenglich gefreut, als er wieder zurückkehrte. Weiterlesen →

8. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Rudolf Buchbinder hat den ECHO Deutschen Musikpreis Klassik 2012 in der Sparte Instrumentalist des Jahres (Klavier) gewonnen.

Und zwar für seine Live-Aufnahme aller Beethoven-Sonaten. Die war ja bei den Kritikern nicht so gaaanz der Brüller. Ich allerdings habe ziemlich früh gemerkt, daß wir es hier mit einer außergewöhnlichen Aufnahme zu tun haben. Hier kommt gleich meine Rezension der Buchbinder-Aufnahmen aus dem letzten Jahr.

Herzlichen Glückwunsch an Rudolf Buchbinder, der wirklich einer der größten Beethoven-Pianisten aller Zeiten ist!

5. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Immobilien: Totgesagte leben länger


Gute Wohnimmobilien sind attraktiver denn je

Fast 20 Jahre lang lagen die Preise deutscher Wohnimmobilien im Dornröschenschlaf – während sie überall sonst auf der Welt steil nach oben gingen. In den USA und Australien, in Irland, Holland und Hongkong, in Kanada und in Dänemark – überall stiegen die Immobilienpreise in den zehn goldenen Jahren zwischen 1997 und 2007 wie verrückt. Überall – nur in Deutschland nicht.

Aber seit einem Jahr nun schon kommt Bewegung in den Markt. Wer die Märkte genau beobachtete, der wußte es schon 2010, im letzten Jahr aber war der Trend dann nicht mehr zu leugnen, und nun ist es endlich auch offiziell: „Wohnimmobilien haben sich im Jahr 2011 in Deutschland kräftig verteuert. Der Preisanstieg belief sich auf fünfeinhalb Prozent gegenüber dem Jahr 2010“, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Februar 2012. Das ist das erste Mal seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre, daß hierzulande ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden ist. Der britische Economist hat im jüngsten Update seiner House-Price Indicators errechnet, daß Deutschland einer der wenigen Märkte weltweit ist, in denen Wohnimmobilien im Vergleich zum verfügbaren Einkommen und zum herrschenden Mietniveau unterbewertet, also zu billig sind. Nur in Japan und Österreich sind laut dem renommierten britischen Wirtschaftsmagazin die Wohnimmobilien noch stärker unterbewertet als in Deutschland. Weiterlesen →

5. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Wo die Faulen wohnen


US-Forscher enthüllen nationale Stereotype

Das PEW Research Center ist ein privates Institut für Meinungsforschung in der amerikanischen Hauptstadt Washington. Man erforscht, wie Lateinamerikaner sich in den USA fühlen („fremd“), was die Ägypter sich vom neuen Präsidenten wünschen („Wohlstand und Demokratie“) und was eine Milliarde Menschen eigentlich auf Facebook suchen („Freundschaft“).

In einer bahnbrechenden Studie hat das Institut herausgefunden, wie die Europäer in der EU sich gegenseitig einschätzen. Ohne sich lange mit Wissenschaftlichkeit aufzuhalten, hat das PEW Briten, Franzosen, Deutsche, Spanier, Italiener Griechen, Polen und Tschechen befragt, was sie voneinander halten. Um die Befragten auch ja nicht zu verwirren, wurde lediglich abgefragt, wie eine Nation die andere einschätzt in Bezug auf diese Eigenschaften: Fleiß versus Faulheit, Ehrlichkeit versus Korruption.

Griechen halten sich selber für die fleißigsten Europäer

Die Ergebnisse sind nichts weniger als weltbewegend. Alle Befragten EU-Bürger, von den Briten bis zu den Polen, von den Tschechen bis zu den Italienern, halten die Deutschen für die fleißigsten Europäer. Allerdings mit einer Ausnahme: Die Griechen. Die halten nämlich sich selber für die fleißigsten Europäer.

Griechen halten die Italiener für die faulsten Europäer

Bei der Faulheit ist das Ergebnis nicht ganz so eindeutig. Hier werden meist die Griechen für die faulsten Europäer gehalten, allerdings mit drei Ausnahmen: die Griechen selber halten die Italiener für die faulsten Europäer, was die Franzosen auch tun, während die Italiener wiederum die Rumänen für besonders arbeitsunwillig halten.

Italiener, Griechen, Spanier, Polen und Tschechen halten sich selber für die bestechlichsten EU-Bürger

Ein völlig klares Bild bietet sich wiederum bei der Bestechlichkeit. Alle befragten Europäer sind sich einige, daß die Deutschen die am wenigsten korrupte Nation innerhalb der EU sind. Überraschend sind die Ergebnisse, wenn es um die Bestechlichkeit geht. Italiener, Griechen, Spanier, Polen und Tschechen halten sich selber für die bestechlichsten EU-Bürger, während für Briten, Franzosen und Deutsche der Favorit Italien heißt.

Seien wir ehrlich: Was wären wir ohne diese großartigen Meinungsforschungsinstitute, die uns pausenlos und frei von aller Wissenschaft mit all den Auskünften versorgen, die uns sowieso noch nie interessiert haben?!

2. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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Christian Thielemann: Mein Leben mit Richard Wagner (Buchbesprechung)


Der Dirigent Christian Thielemann erzählt von sich und Richard Wagner

Manchmal scheinen Natur und Erbanlagen eine Generation zu überspringen. Der Dirigent Christian Thielemann ist solch ein Fall. Der ist der bedeutendste lebende Wagner-Dirigent. Aber Thielemann dirigiert Wagner, Beethoven und Bruckner nicht so wie es heute üblich ist: unterkühlt, analytisch, sezierend – sondern mit sattem Klang und großer Geste. Thielemann ist der Antipode der ventillosen Naturtrompeten, der vibratolosen Streicher, die so klingen, wie Wassersuppen schmecken, und der prestissimo durchgepeitschten Allegro-Sätze. Thielemann läßt das Orchester aufspielen wie vor fünfzig Jahren. Der Berliner dirigiert aber auch nicht so wie von ihm verehrte Vorbilder, wie z.B. Ottmar Suitner, Herbert von Karajan oder Wolfgang Sawallisch, nein: Thielemann erinnert viel mehr an die große Klangmagier wie Furtwängler, Eugene Ormandy, ja sogar an Stokowski, auch wenn man das Gefühl hat, daß Thielemann selbst das gar nicht so bewußt ist.

Früh begabt und aus guter Familie

Nun hat Thielemann zusammen mit der Journalistin Christine Lemke-Matwey ein Büchlein über Richard Wagner und seine Beziehung zu ihm geschrieben. Los geht es aber erst einmal mit Thielemann selbst. Da ist also der Frühbegabte aus gutem Hause, der schon mit fünf Klavier und Geige spielt, vom Vater das absolute Gehör und von beiden Eltern Disziplin, die Liebe zur Musik und ein Abonnement für die Staatsoper Berlin mitbekommen hat. Christian Thielemann sagt von sich selber, er gehöre einer Generation an, die „gelernt habe, sich selbst und alles Deutsche zu hassen, natürlich auch die deutsche Musik und allen voran Richard Wagner“. Thielemann hat das nie interessiert. Er bemerkt, daß die gesamte Wagner-Literatur, von Adorno bis Zelinsky, einem bei der richtigen Dynamik im Tristan-Vorspiel nichts nütze und man einen Quartsextakkord weder „antisemitisch noch sozialistisch noch kapitalistisch“ spielen könne.

Ochsentour: als Kapellmeister an zweiten und dritten Häusern

Für Christian Thielemann steht bei der Musik nicht die Ideologie, sondern das Handwerk im Vordergrund, und ein großer Handwerker ist er von Anfang an gewesen. Nach dem Konzertexamen im Klavierfach, Stationen als Korrepetitor an der Deutschen Oper in Berlin, Assistent bei Karajan und in Bayreuth wird der 29jährige Generalmusikdirektor in Nürnberg. In dieser Zeit hat Thielemann zwar nicht Dirigieren gelernt, weil man das sowieso „nicht lernen könne“, sich aber „ein dickes Repertoire angefressen“, trainiert, mit Chören zu atmen und Operetten vom Blatt zu dirigieren. Wie Karajan hat Thielemann die Ochsentour als Kapellmeister an zweiten und dritten Häusern absolviert, und bis heute hält er diese für die beste Vorbereitung auf höhere Weihen.

Potpourri teils scharfer Vignetten zum Planeten Wagner

Im zweiten Teil seines Wagner-Buches bietet Thielemann ein Potpourri teils scharfer Vignetten zum Planeten Wagner. Aus Altbekanntem sticht ein kluger Essay zu Wagners Antisemitismus, den Thielemann mit dem typischen Sozialneid des Unterprivilegierten erklärt, heraus. Keineswegs ein Gemeinplatz ist die Aussage, daß Wagner „der Totengräber der Mendelssohn-Rezeption bis tief ins 20. Jahrhundert hinein gewesen ist“. Von Hans von Bülow bis zu Hans Joachim Moser reicht eine unselige Tradition, Mendelssohn als kraftlosen Schöpfer von Streichquartetten für höhere Töchter abzutun.

Einsichten aus der Praxis

Zu recht stellt Thielemann fest, daß die Orchester seit siebzig Jahren immer lauter werden, weil die Darm- durch Stahlseiten ersetzt, die Blasinstrumente technisch verbessert und der Kammerton a1 von einstmals 440 Hz auf nunmehr 443 Hz (also fast um einen Viertelton) erhöht wurde. All das verlangt den Wagner-Sängern Höchstleistungen ab, die auf die Stimme gehen. Von diesen Einsichten aus der Praxis hätte man sich mehr in diesem Buch gewünscht.

Einführungen in Wagners Musikdramen

Fast die Hälfte des Buches besteht aus Einführungen in Wagners Musikdramen, und zwar auch in die frühen Werke wie „Die Feen“ oder „Das Liebesverbot“, von denen kein Opernführer sonst etwas weiß. Zu jeder Oper erfährt der Leser etwas zu Entstehung, Besetzung, Handlung, Musik. Auch eine Übersicht zu den gängigsten Schallplattenaufnahmen gibt es. Man wird ruhig sagen dürfen: All das hat man woanders mindestens genauso gut und manchmal durchaus besser gelesen. Auch den Schallplatten-Tips wird man nicht immer folgen wollen. Unter den zahlreichen Aufnahmen des Rings wird der normale Musikhörer sich weder für den von Thielemann heiß empfohlenen, klanglich jedoch unzulänglichen Furtwängler-Ring aus dem Jahr 1953 (in Mono) noch für den routiniert herunterdirigerten Karajan-Ring (1966-70), sondern vielmehr für Soltis klassische Aufnahme aus den frühen Sechzigern entscheiden.

Aber das sind geringe Mängel an diesem ansonsten sehr lesenswerten Buch, das jeder Musikfreund freudig begrüßen wird.

Thielemann, Christian:Mein Leben mit Wagner, München 2012. 320 S.: mit 27 Abbildungen. Gebunden, C.H.BECK ISBN 978-3-406-63446-8

2. Oktober 2012
von Markus Brandstetter
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“Mission” – Cecilia Bartoli singt Barockarien von Agostino Steffani (1654-1728)


Eine Küchenweisheit besagt, daß Komponisten komponieren können und sonst gar nichts. Stop, stimmt nicht! Einige wie Mozart, Beethoven oder Brahms spielten auch noch ganz gut Klavier, aber das bestätigt nur die Regel, denn beides hat was mit Musik zu tun. Aber wie die meisten Küchenweisheiten stimmt auch diese nicht. So war der russische Komponist Alexander Borodin im Hauptberuf Chemiker, der amerikanische Symphoniker Charles Ives Versicherungsmakler und der italienische Opernkomponist Agostino Steffani auch noch Geistlicher, Diplomat und Universitätsrektor. Agostino … wer? Genau: das ist jetzt kein so geläufiger Name, weshalb wir uns zuerst mit ihm befassen müssen, bevor wir über Cecilia Bartoli reden, die diesem Steffani soeben ein Konzept-Album gewidmet hat.

Priester, Diplomat, Komponist: Ein Mann aus Venedig

Stammen tut Steffani aus Castelfranco in der Nähe von Venedig. Da wird er 1654 geboren und gehört damit zur ersten Generation des Barock (Bach und Händel sind die zweite), die große Komponisten wie den fast gleichaltrigen Arcangelo Corelli und Henry Purcell hervorgebracht hat. Schon als Kind singt er im Chor, wo er durch einen schönen Knabensopran und ein gutes Gehör auffällt. Während des venezianischen Karnevals von 1666 hört der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria den Zwölfjährigen und nimmt ihn mit nach München. Da lernt Steffani beim Hofkapellmeister Johann Caspar von Kerll drei Jahre lang Harmonie und Kontrapunkt. Zwei Studienjahre beim Kapellmeister von St. Peter in Rom schließen sich an. Dann hat Steffani ausgelernt und kehrt 1674 nach München zurück, wo er als Hof- und Kammerorganist bald so gut verdient, daß er seine ganze Familie nachholen kann.

Karriere als Reise- und Geheimdiplomat

1680 jedoch ändert sich das Leben des jungen Musikers grundlegend. In diesem Jahr wird er nicht nur zum Priester geweiht, sondern beginnt im Auftrag des neuen Kurfürsten Max II. Emmanuel eine Karriere als Reise- und Geheimdiplomat, die ihn 40 Jahre lang quer durch Europa führen wird. Der Dreißigjährige Krieg ist noch kein Menschenalter vorbei, der Friede brüchig, das Reich von religiösen Gegensätzen zerrissen. Hinter den Kulissen müssen dynastische Hochzeiten angebahnt und Konflikte entschärft, Depeschen überbracht und Botschaften ausgerichtet werden. Dafür ist ein intelligenter, diskreter Priester, der vier Sprachen spricht, sich weder um Frau noch Kinder kümmern muß und in Verhandlungspausen am Cembalo improvisieren kann, genau der Richtige. Für drei Kurfürsten arbeitet Steffani: den Bayern, den Hannoveraner und den Pfälzer, lebt in München, Hannover und Brüssel, wird Bischoff und Gesandter, päpstlicher Thronassistent und apostolischer Vikar, ist den Mächtigen Vertrauter, Beichtiger und Ratgeber. Gehetzt, gestreßt und zunehmend verschuldet trägt er sich ein Leben lang mit dem Gedanken, nach Italien zurückzukehren, um da in ländlicher Ruhe zu komponieren, aber daraus wird nichts. Als der 73jährige im Winter 1728 endlich heimreisen will, erliegt er in Frankfurt a. M. einem Schlaganfall.

17 Opern und jede Menge Kammerduette

Man fragt sich, wie ein dermaßen beschäftigter Mensch 17 Opern, einiges an Kammermusik und jede Menge Kammerduette für zwei Stimmen mit Basso Continuo komponieren konnte, aber in Kutschen und Gasthöfen, in Kapellen, Sakristeien und den eiskalten Vorzimmern, von denen noch Mozart berichtet hat – irgendwie muß es gegangen sein. Die meisten seiner Opern schrieb Steffani erst in seiner Münchner Zeit (1681 bis 1688), dann in Hannover (1689 bis 1709) für das neuerrichtete Opernhaus.

Ein komponierender James Bond?

Und diesen Mann nun hat Cecilia Bartoli für uns wiederentdeckt. Quasi im Alleingang. Und ganz nebenbei hat sie auch noch entdeckt, daß Steffani ein Spion, Geheimagent und vielleicht sogar ein Mörder war, gewissermaßen ein komponierender James Bond des Barock. Hier hat offensichtlich eine kreative Marketing-Abteilung Überstunden eingelegt, denn ganz so war es nicht. Weder hat Steffani jemanden ermordet, noch war er jemals wirklich vergessen. Seine Kammerduette waren für die Vokalmusik ebenso stilbildend wie Corellis Triosonaten für die Instrumentalmusik, und das war schon seinen Zeitgenossen wohl bewußt. Auf dem Video zur CD (ja, auch in der Klassik gibt’s inzwischen Musik-Videos) bemerkt Frau Bartoli, daß Steffanis Opern das Bindeglied zwischen Monteverdi und Händel bilden, und das ist vollkommen richtig. Händel hat sich von Steffanis virtuos-pathetischen Arien einiges abgeschaut.

Koloraturen zunehmend gepreßt und schwerfällig

Cecilia Bartoli hat insgesamt 25 Arien und Duette aus zehn Opern aufgenommen. Aber bei aller Brillanz, aller Sangeskunst, der ganze Verve, mit der die Bartoli wie immer singt, hinterläßt die Platte doch einen zwiespältigen Eindruck. Natürlich, da ist noch immer diese ungemein virtuose, biegsame Stimme, die von Alt bis Sopran alle Register beherrscht. Ihr ungeheures Stimmvolumen, ihre Gestaltungsfähigkeit und die schiere Lebensfreude, mit der die Italienerin seit Jahrzehnten begeistert – all das ist auch hier in reichem Maße vorhanden. Aber die Koloraturen klingen nun zunehmend gepreßt und schwerfällig. Die Stimme hört sich bei großen Intervallsprüngen rauh und mitunter unsicher in der Intonation an. Weil die Sängerin die Höhen nicht mehr so mühelos ansprechen kann wie in der Vergangenheit, wird sie nun stetig lauter, damit sie die Spitzentöne noch erreicht. Es ist das Schicksal aller Koloratursängerinnen, daß mit zunehmendem Alter die Stimme an Geschmeidigkeit verliert, aber nicht jede Sängerin geht damit gleich um. Das Negativbeispiel ist Maria Callas, die ihre Jahrhundertstimme in zehn Jahren verbrannte, während ihre Dauerrivalin Renata Tebaldi sich die ihre über 30 Jahre bewahrte. Cecilia Bartoli, die Jürgen Kesting einmal zutreffend als den „Sonderfall einer Hochbegabung“ bezeichnet hat, ist im Moment dabei, ihr stimmliches Material zu verschleißen und dies durch Manierismen zu überspielen. Das beschert ihr nach wie vor die Akklamationen der Amazon-Rezensenten, ein Gewinn für die Kunst ist es nicht.

Bio-Orchester mit Donnerblech und ein Tamburin

Hier hätte ein kluger Dirigent, der Sänger zu führen versteht, Gutes bewirken können, aber Diego Fasolis und I Barocchisti musizieren so wie viele moderne Barock-Orchester: schnell, laut, mit schmetternden Naturtrompeten und schepperndem Schlagwerk. Und damit es auch wirklich so klingt, wie es im Barock angeblich üblich war, haben noch ein Donnerblech und ein Tamburin, die in der Originalpartitur garantiert nicht drinstehen, ihren Weg auf die CD gefunden, die dann im Computer auch noch hörbar auf laut gemixt wurde. Das ist alles ein bißchen schade, denn Steffani ist tatsächlich eine Entdeckung und seine Musik, wenn auch nicht sensationell, so doch sehr hörenswert.